Nichts für erlebnishungrige Partygänger: In Dänemark gibt es viel Natur und Geschichte
(Quelle Anke Engelmann, Neues Deutschland, Artikel über Südjutland)
Von Schleswig aus sind es nur wenige Kilometer bis an die Küste der Ostseeinsel Als. Nicht viel weiter muß man fahren, um an die Nord-seeküste zur Insel Fanö zu gelangen. Dazwischen liegt Südjutland, dessen harmonische Landschaft viele Spuren der Vergangenheit aufweisen.
Kaum eine Reisebeschreibung Dänemarks kommt ohne das Wort »hyggelig« aus. »Hyggelig« bedeutet angenehm, heimelig, geborgen, wohltuend und nicht zuletzt oft: typisch dänisch. Als Reiseziel ist das klein Land zwischen den zwei Meeren vor allem für altere Menschen attraktiv, und auch mit Kindern fühllt man sich hier wohl.
Zwei Brücken überqueren den Alssund und verbinden die OstseeInsel mit dem Festland. Auf dem Eiland liegt Sönderborg mit seinen Jugendstilbauten und seinem Renaissanceschloss aus dem 12. Jahrhundert, dem ältesten Profanbau des Nordens. Ein besonderes Schmuckstück ist die Schloßkapelle, Dänemarks älteste Fürstenkirche. Luther selbst soll Königin Dorothea bei der Gestaltung des Renaissancekleinods beraten haben. Ganz Unterschrockene können sich in dem Schloßgemäuer auf Geistertour begeben und sich hernach im Schloßkeller bei einem opulenten Mahl von den Schrecken erholen.
Den Grundstock für die heutigen Grenzen Dänemarks habe ein Volksentscheid gelegt, bekommet man in Südjutland immer wieder zu hören. An das mörderische Gemetzel des deutsch-dänischen Krieges von 1864, der dem Plebiszit vorausging, erinnert das Geschichtszentrum von Dybbel. Wo früher Blut floss, weiden heute auf saftigen Wiesen Schafe und lockenköpfige Kühe. An der Frontlinie zwischen Dybbel und Als kann man mitten durch die Schützengräben stapfen und gelangt zum Gendarmenpfad, einem der schönsten Wanderwege Dänemarks, der sich 74 Kilometer die Küste entlang schlängelt.
Einer, der sich mit Erfindungsgabe und voller Zähigkeit nach oben gearbeitet hat, war der Bauernsohn Mads Clausen, der auf der Ostseeinsel Als in dem winzigen Ort Elsmark die Firma »Danfoss« gründete - inzwischen Dänemarks größtes Industrieunternehmen. Heute beherbergt das Geburtshaus, der spätere Danfoss-Sitz, ein Museum über die Firmengeschichte und ein Teknorama. Typisch dänisch: In der guten Stube der Familie Clausen, die für die Museumsbesucher geöffnet ist, steht heute noch das original Meißner Porzellan auf dem Tisch.
Im 2006 wurde das »Danfoss Universe«, ein Erlebnispark der besonderen Art, geöffnet. Ganz im Sinne von Mads Clausen befindet sich hier ein Paradies für Erfinder und Tüftler, ein Wissenschaftszentrum mit Gletscher-Simulator, Vulkan-Kammer, einem Hitze- und Kälte-Raum und einem Blitz-Simulator. Zwischen 12 und 14 Euro, das sind etwas mehr als 100 dänische Kronen, wird der Eintritt ins Erfinderparadies kosten.
Zum Greifen nah wie das Meißner Porzellan im Danfoss-Museum ist den Dänen auch ihre Königsfamilie. Im Schloß Graasten, auf dem Festland in westlicher Richtung gelegen, kann man sie mit etwas Glück hautnah erleben. Einst saß hier der Dichter Hans Christian Andersen unter den Apfelbäumen Marke Gravenstein und schrieb das traurige Märchen vom Mädchen mit den Schwefehölzern. Schloßkirche und Garten sind das ganze Jahr über geöffnet.
»Hyggelig« ist es bei Nina und Hendrik Loff in Krusmölle bei Aabenraa, wo der Dänemarkreisende auf dem Weg nach Westen unbedingt Station machen sollte. Beim Frühstück mit selbst gemachter Konfitüre, wundervollem Honig, selbst gebackenem Brot und mit Wurst, Milch und Käse vom Bauern nebenan kann man viel liebevoll arrangierten Schickschnack aus Omas Zeit bewundern.
Die Dänen seien die bessere Sorte Mensch, sagen die einen, die Italiener des Nordens, behaupten andere. Ein bißchen schrullig sind die Nachfahren der Wikinger allemal. So sind sie regelrecht vernarrt in ihre weiß-rote Nationalflagge, die so beliebt ist, daß sie in einigen Familien sogar den Weihnachtsbaum schmückt. Sie sei eben »einfach schön« lautet meist die schlichte Begründung. Historisches ganz anderer Art erlebt man in Ribe an der Nordsee: Mittelalter-Idylle und Venedig des Nordens mit Fachwerkhäuschen, krummen Gassen und einem 900 Jahre alten Dom. Die Bürger der Handelsstadt setzten sich hier selbst ein Denkmal und bauten den in einem Sturm zerstörten Turm der »domkirke« wieder auf - heute noch überragt der mit der dänischen Flagge geschmückte Bürgerturm den gesamten Kirchenbau.
Die Wikinger hatten keine Hörner an ihren Helmen, erfahrt man von Lene Feveile. Die Archäologin muß es wissen, schließlich hat sie einen Großteil der Kostbarkeiten, die im Wikingermuseum von Ribe zu bewundern sind, selbst ausgegraben. Lene Feveile ist Stadtführerin und erläutert den Besuchern sachkundig die Geheimnisse ihrer Heimatstadt. Ein Besuch in Wikingermuseum ist auch für die Kleinsten andere als langweilig: In einem zünftig und mit Liebe zum Detail eingerichteten Spielzimmer können sie Ritterturniere ausfechten, in einer mittelalterlichen Küche wirtschaften oder einen nachgebauten Lokus bestaunen. Zwölf Minuten Windmassage beschert die Überfahrt mit der Fähre von Esbjerg zu Nordseeinsel Fanö. Fanös breite Sandstrände laden in jeder Jahreszeit zum Strandspaziergang ein. Man kann mit dem Fahrrad Ausflüge unternehmen, die malerische Dorfkirche von Sönderho besuchen oder im »Sönderho-Kro« einem 250 Jahre alten Restaurant der Sonderklasse, eins der exquisiten Menüs genießen. Der Kro hat Tradition wie vieles auf der Insel: Seit neun Generationen wird er von Familie Sörensen bewirtschaftet. Wirtin Birgit Sörensen ist weithin berühmt für ihre Kochkünste: Ihr pfiffiger Mix auserlesener Gourmet-Rezepte und handfester dänischer Küche lockt Feinschmecker von weit und fern.
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